Die Biennale de Paris in Berlin

Die Biennale de Paris in Berlin ist ein Projekt des Institut de Donbat, das in Verbindung mit der Biennale de Paris entwickelt wird. Ausgangspunkt ist die angespannte wirtschaftliche Situation der Berliner Kunstszene, auf die das Projekt mit einer situierten, schrittweisen und experimentellen Form zu antworten versucht.

Das Projekt befindet sich derzeit in einer Phase der Recherche, der Begegnungen und der Strukturierung. Seit mehreren Monaten finden Gespräche mit Institutionen, Projekträumen und Akteur:innen des Berliner Kontexts statt, unter anderem mit Annette Maechtel / Akademie der Künste, SAVVY Contemporary, Künstlerhaus Bethanien, Haus am Lützowplatz, Galerie gr_nd, IFSE, bbk berlin, Berlin Biennale, UdK — Kunst im Kontext, Kommunale Galerien Berlin, Z/KU sowie mit weiteren Gesprächspartner:innen aus dem Kulturbereich, darunter Dr. Ingrid Wagner, ehemalige stellvertretende Leiterin innerhalb der Kulturabteilung der Berliner Senatsverwaltung.

Diese Gespräche haben mehrere zentrale Fragestellungen sichtbar gemacht: die Prekarisierung künstlerischer Arbeit, die Fragilität kultureller Infrastrukturen, den wirtschaftlichen Druck auf Orte und Künstler:innen, die wachsende Abhängigkeit von öffentlicher Förderung oder Marktlogiken sowie die Notwendigkeit, neue Modelle der Produktion, Kooperation und Sichtbarkeit zu entwickeln.

Die Biennale de Paris in Berlin hat daher bereits begonnen. Termine, vorbereitende Kommunikation, Kontaktaufnahmen, Gespräche, Recherchen, Wege, Verhandlungen und Formen der Vernetzung sind nicht nur eine Vorbereitung auf die Biennale: Sie sind bereits ihre ersten Erscheinungsformen.

Aus dieser Perspektive entsteht die Biennale, die nie als punktuelle Ausstellung gedacht wurde, durch die Situationen, denen sie begegnet, die Ungleichgewichte, die sie identifiziert, die Personen, die sie miteinander verbindet, und die Handlungsformen, die sie ermöglicht. Ihr öffentlicher Moment wird einen Höhepunkt des Projekts bilden, jedoch nicht seinen endgültigen Abschluss. Es wird sich um eine Phase der Intensivierung handeln, in der die angesammelten Recherchen, Allianzen, Vorschläge und Experimente sichtbarer, teilbarer und diskutierbarer werden können. Danach wird die Biennale in ihren Wirkungen, Fortsetzungen, Transmissionen und in den Formen weiterbestehen, zu deren Entstehung sie beigetragen hat.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Projekts betrifft die invisuelle Kunst, verstanden als eine künstlerische Praxis, die sich nicht auf die Produktion sichtbarer oder ausstellbarer Objekte beschränkt. Invisuelle Kunst kann die Form von Situationen, Beziehungen, Prozessen, ökonomischen Gesten, sozialen Dispositiven, Recherchen, Organisationsweisen oder Formen der Kooperation annehmen. Dieser Ansatz ermöglicht es, den Ort der Kunst in einem Kontext zu befragen, in dem Künstler:innen mit fragilen Arbeitsbedingungen und einer wachsenden Schwierigkeit konfrontiert sind, unabhängige Praktiken langfristig aufrechtzuerhalten.

Die Biennale de Paris in Berlin schreibt sich damit in die Methode des Donbat ein: ein Ungleichgewicht erkennen, es in seinem Kontext analysieren, eine proportionierte Antwort entwickeln und diese Antwort anschließend in eine übertragbare Erfahrung verwandeln. In diesem Fall betrifft das Ungleichgewicht die ökonomischen, sozialen und symbolischen Bedingungen künstlerischer Produktion in Berlin.

Das Projekt versucht daher nicht nur, einen kritischen Kommentar zur Prekarisierung der Kunstszene zu formulieren. Es zielt darauf ab, andere Weisen des Biennale-Machens zu erproben: nicht als bloßes Programm, Auswahlverfahren oder Schaufenster, sondern als Plattform für Recherche, Dialog, Unterstützung und Transformation.

Die Biennale de Paris in Berlin funktioniert zugleich als Untersuchung, Intervention und Raum der Transmission. Sie befragt die ökonomischen Bedingungen der Kunst und versucht zugleich, in ihrem eigenen Maßstab konkrete Antwortformen hervorzubringen: Begegnungen, Allianzen, Unterstützungsformate, Sichtbarkeitsdispositive, Werkzeuge der gegenseitigen Nutzung, öffentliche Diskussionen und paraökonomische Experimente.

Das Berliner Projekt steht außerdem in Verbindung mit dem internationalen Programm der Biennale de Paris in Tunis, das für Oktober 2026 vorgesehen ist und unter dem Thema Unvisual Art as a Driver of Creativity for Developing One’s Own Economic Models steht. Diese Verbindung ermöglicht es, Berlin nicht als bloßen Austragungsort zu denken, sondern als Feld der Recherche und des Experiments im Dialog mit anderen internationalen Kontexten.

Ausgehend von dieser vorbereitenden Arbeit wurde ein erstes Synthesedokument erarbeitet. Es versammelt Beobachtungen zur aktuellen Situation der Berliner Kunstszene und skizziert mehrere mögliche Reflexionslinien für die Biennale de Paris in Berlin. Dieses Dokument ist nicht als endgültiges Programm gedacht, sondern als Diskussionsgrundlage, die den Austausch mit potenziellen Partner:innen eröffnen soll.

Referenzdokument: Wirtschaftliche Situation der Berliner Kunstszene

Grafik: Ralf Porzel

Projektstand

Projekt in Entwicklung.

Schlagwörter

Biennale de Paris
Berlin
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Invisuelle Kunst
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Alternative Wirtschaftsmodelle
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